GEDICHTE

An Prag

Die Winternacht gibt Anmut mancher Stadt
und Schwäne leben unter vielen Brücken
Doch die Magie, die Traurigkeit
wie sind sie nur mit Worten auszudrücken?

Und wie ist dieser Anblick auszuhalten
wenn schwerer Schnee die Brückentürme schmückt
wenn Heilige aus Stein die Hände falten
auf Dächer sehen, die der Frost erdrückt?

Wenn du in Lichtern zu ertrinken scheinst
und schlanke Türme wie zur Schau darstellst
wenn du mit deinem Trauerweidenhaar
den Ausblick auf die Moldau sperrst

so schleicht sich deine Schönheit in die Herzen
und wirkt wie schwerer Wein, wie süßes Gift
Bist ein Vampir, die Königin der Kerzen
und ich will fliehen, denn ich lieb' dich nicht
(Fußspuren auf dem Wasser, 1998)

Nacht

Seidig, samt ihrem
zerrissenen Wolkenschleier
fließt sie hinab
durchs offene Fenster
und verströmt Düfte
aus nie gelebten Landschaften
und schweigt so beunruhigend
vor Schlaflosigkeit

Geziert mit Mondsteinen
die niemals wirklich strahlen
macht sie dir vor
du könntest Eisvögel züchten
in Käfigen aus Blei
Und wenn ihr Haar
sich öffnet
gießt es sich wie ein schwarzes Meer
über die zermahlnen Diamanten
in den Tiefen
(Vor der Sonnenwende, 2002)

Klára Hùrková

Auf dem Wasser

Wenn du mal wieder
spazierengehst auf dem Wasser,
fürchte dich nicht,
Spuren zu hinterlassen.

Die, die sie überhaupt sehen,
werden verstehen.
(Fußspuren auf dem Wasser, 1998)

Aufwachen

Postkartenmorgen.
Weiche Schatten
bergen die Vogelnester.
Von hoher Pappel
lacht die Elster.
Die Sonne
- ein Kind in Rot -
klettert über die Gartenmauer.

Am Horizont verblassen
die Spuren einer Nacht,
die über Glasscherben ging.

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